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Mein Schiff FLOW feierlich getauft: Drei Taufpatinnen, ein Schiff und ein gemeinsamer Flow

Samstagabend, Hafen von Triest. Eine Champagnerflasche zerschellt am Bug eines 333-Meter-Schiffs. Eigentlich Routine. Aber an diesem 20. Juni 2026 hatte TUI Cruises gleich zwei Premieren im Gepäck: ein komplett neues Format und drei Patinnen statt einer. Wer Julia, Annabelle und Karin sind, was das Schiff wirklich kann und warum die Adria gerade die bessere Bühne als Venedig ist — der Reihe nach.

Was an diesem Abend in Triest geschah

Die Taufe selbst dauerte nur Minuten. Das Drumherum füllte einen kompletten Tauftag. Schon ab dem Nachmittag verwandelte sich das Schiff in eine Erlebniswelt mit verteilten Festivalbereichen statt eines klassischen Bühnenprogramms. Auf dem Mistral Deck entstanden interaktive Kunstprojekte, im Theater liefen immersive Lichtinszenierungen.

Der Höhepunkt kam nach dem Taufdinner. Eine rund 20-minütige multiszenische Live-Inszenierung verband Pooldeck, Agora, Blaue Flora, Theater, Brücke und Bug zu einem Gesamterlebnis. Das Schiff wurde selbst zur Bühne. Musiker, Artisten und Performer arbeiteten parallel an verschiedenen Orten, Gäste verteilten sich auf Public-Viewing-Bereiche.

Kurz vor Mitternacht dann der ikonische Moment: Champagner am Bug, Applaus, Feuerwerk. Tim Bendzko spielte den musikalischen Schlusspunkt. Am Vorabend hatte bereits Rea Garvey die Taufreise eröffnet (meinschiff.com, 2026). Triest bot dabei eine bewusst andere Kulisse als das überfüllte Venedig: italienisch geprägt, historisch, weit genug für ein maritimes Großereignis.

Schöne Geste am Rande: Die Mein Schiff 4 war als „Taufgast“ mit nach Triest gekommen. Zwei Generationen der Flotte trafen sich direkt vor der Adria-Kulisse. Wer schon mal eine Schiffstaufe miterlebt hat, kennt das Verhältnis: Sekunden für die Flasche, Stunden für alles drumherum. TUI hat diesmal genau dieses Verhältnis umgekehrt. Die Zeremonie wurde zum Höhepunkt eines mehrtägigen Programms statt zum isolierten Show-Moment. Wirkt stimmiger als die übliche Frontalshow. Lässt aber wenig Raum für Spontaneität.

Wer sind eigentlich Julia, Annabelle und Karin?

Drei ganz normale Mein-Schiff-Stammgästinnen. Genau das ist der Punkt. Rund 900 Frauen hatten sich auf den Aufruf beworben, in der finalen Abstimmungsphase wurden über 15.000 Stimmen aus der Community abgegeben (meinschiff.com, 2026). Statt einer einzelnen Siegerin entschied sich TUI Cruises am Ende für drei Persönlichkeiten verschiedener Generationen.

Die offizielle Begründung: Die drei stehen für die Vielfalt der Mein-Schiff-Gäste. Wer im Marketing arbeitet, erkennt darin natürlich auch ein gut gespieltes Manöver. Aber: Authentisch wirkt es trotzdem, weil tatsächlich Stammgästinnen tauften. Keine bezahlten Promis, keine Influencer auf Honorar. Das macht einen spürbaren Unterschied.

Für ihren Auftritt trugen die drei Couture-Kleider, die Guido Maria Kretschmer persönlich aussuchte. Beim Fitting an Bord in Hamburg überraschte der Stardesigner die Patinnen selbst und passte jedes Kleid individuell an. Schuhe, Accessoires und Make-up wurden komplett auf jede Frau zugeschnitten. Für TUI Cruises ein PR-Coup, für die drei Frauen vermutlich der Tag ihres Lebens.

Bemerkenswert ist die Abkehr vom Promi-Schema. Frühere Mein-Schiff-Taufen liefen mit Franziska van Almsick, Lena Meyer-Landrut und ähnlich prominenten Namen. Jetzt eben drei Frauen aus der Fangemeinde. Das ist konsequent für eine Reederei, die seit Jahren auf Wiederkehrer und Loyalitäts­programme baut.

Realistisch ist die Inszenierung obendrein. Wer auf einem Mein Schiff schon mal an Bord war, weiß: Die Mischung aus jungen Paaren, Familien und langjährigen Wiederkehrern trifft man tatsächlich an. Insofern bilden Julia, Annabelle und Karin nicht nur Marketing-Erfindung ab, sondern auch die echte Gästestruktur.

Die Mein Schiff FLOW in Zahlen

Wer das Schiff zum ersten Mal sieht, sieht vor allem: viel. 333 Meter Länge, 42,1 Meter Breite. Damit gehört die Flow zur größten Klasse, die TUI Cruises je gebaut hat. Auf 19 Passagierdecks verteilen sich 2.016 Kabinen, davon 1.531 mit Balkon und 26 als Einzelkabinen. Zehn davon ebenfalls mit eigenem Balkon (Nordsee-Zeitung, 2026).

Die Flow ist damit knapp 1.090 Passagiere größer als ein Mein Schiff 7. Fast die Hälfte mehr. Trotzdem wirkt das Schiff nach Berichten der ersten Vorpremieren-Gäste nicht voller. Der Grund: deutlich mehr Decksfläche pro Person und ein neues Raumkonzept rund um das mehrere Decks hohe Diamant-Atrium.

Die wichtigsten Eckdaten im Überblick: rund 60.000 kW Antriebsleistung, Höchstgeschwindigkeit etwa 21,5 Knoten, gebaut bei Fincantieri in Monfalcone in etwa eineinhalb Jahren. Die Übergabe an TUI Cruises erfolgte am 12. Juni 2026, gerade einmal acht Tage vor der Taufe (Nordsee-Zeitung, 2026). 14 Restaurants und 17 Bars bilden das gastronomische Rückgrat.

Was die InTUItion-Klasse wirklich anders macht

Mit der Flow setzt TUI Cruises fort, was die Schwester Mein Schiff Relax 2025 begonnen hat. Aber mit gezielten Korrekturen aus dem Gäste-Feedback. Architektonisch sind beide Schiffe identisch, im Detail unterscheiden sie sich an mehreren Stellen.

Die größten Neuerungen gegenüber der bisherigen Flotte:

  • Diamant-Atrium: ein mehrstöckiges Innenforum, das die Schiffsmitte komplett neu organisiert.
  • Suiten-Areal am Heck: X-Lounge und X-Sonnendeck liegen jetzt achtern auf den Decks 6, 7 und 16, plus zwei eigene Suiten-Restaurants.
  • Englische Namen für Bordbereiche: aus „Anckelmannsplatz“ wird „Harbour Market“, aus „Hohe Luft Bar“ wird „Bar 17″. TUI will internationaler werden.
  • Geflochtenes Sonnendach über dem 25-Meter-Pool: spendet Schatten, lässt aber Tageslicht durch.
  • Agora: eine terrassen­förmige Entspannungs­zone mit Infinity-Pool, die ein bisschen an griechische Amphi­theater erinnert.
  • USB-C-Steckdosen an beiden Bettseiten. Klingt klein. War auf älteren Schiffen aber ein echtes Manko.

Spannend wird’s beim Antrieb. Die Flow fährt mit Dual-Fuel-Motoren und LNG als Primärtreibstoff. Aktuell einer der saubereren Standards in der Kreuzfahrt. Nicht emissionsfrei, aber deutlich besser als klassisches Schweröl. Über Landstromanschlüsse kann das Schiff in entsprechend ausgerüsteten Häfen seine Motoren komplett abschalten.

Kulinarik, Kunst und Musik – das Programm hinter der Taufe

Die Taufreise lief unter dem Motto „Go with the Flow“. Musik, Kulinarik, Kunst und Bewegung über mehrere Tage kombiniert. Statt Vollberieselung ein paar wenige starke Highlights mit Pausen dazwischen. Ein bewusster Bruch mit dem typischen Kreuzfahrt-Animationsplan.

Kulinarisch zog die Reederei richtig prominent auf. Sternekoch Tim Raue kreierte spezielle Menüs an Bord, Bartenderin Linh Nguyen mixte Signature-Cocktails, Jörg Wagner von der Pralinenmanufaktur Wagner gab Workshops für interessierte Gäste. Diese Mischung aus Spitzengastronomie und Mitmach-Formaten war ungewöhnlich. Auf Kreuzfahrten dominieren sonst eher Show-Auftritte ohne Interaktion.

Musikalisch lieferten zwei Generationen die Soundkulisse. Rea Garvey spielte am 19. Juni einen Open-Air-Auftritt mit irischem Charme und akustischer Gitarre. Seine Stimme trägt erfahrungs­gemäß besonders gut über Wasser. Tim Bendzko übernahm am Tauftag selbst. Brachte „Muss nur noch kurz die Welt retten“ mit. Ausgerechnet, könnte man sagen — der Song spielt sprachlich ja schon ein bisschen mit dem „Loslassen“, das die Flow-Botschaft transportiert.

Dazu kamen Künstlerinnen, Gastredner, Tanzformate und Yoga-Sessions auf den Außendecks. Hängenbleibt nicht ein einzelner Moment, sondern die kumulierte Atmosphäre. Mehr Festival als Galaabend. Wer schon mal beim Hafengeburtstag in Hamburg war, kennt das Prinzip: viele kleine Bühnen statt einer großen.

Wie es jetzt für die FLOW weitergeht

Nach der Taufe geht’s direkt in den regulären Betrieb. Die Sommersaison 2026 verbringt die Flow im westlichen Mittelmeer mit neun- bis elftägigen Routen ab Palma de Mallorca. Auf dem Plan stehen Häfen in Italien, Spanien, Frankreich, Portugal und Marokko. Ajaccio, Civitavecchia, Neapel, Palermo, Cagliari und Barcelona bilden die Klassiker.

Für die Wintersaison 2026/27 wechselt das Schiff nach Norddeutschland mit Abfahrten ab Hamburg, inklusive Langstrecken in wärmere Gefilde. Wer noch nie auf einem Mein-Schiff-Neuzugang war: Die ersten Monate nach der Taufe sind erfahrungs­gemäß die spannendste Phase. Crew und Konzept müssen sich gegenseitig einspielen. Frühbucher bekommen oft die besten Kabinenkategorien.

Häufige Fragen zur Mein Schiff Flow

Warum heißt das Schiff nicht „Mein Schiff 9"?

TUI Cruises hat mit der InTUItion-Klasse bewusst die Durchnummerierung beendet. Die Relax (2025) und die Flow (2026) tragen eigene Namen, weil die Reederei sie als neue Generation positioniert. Inhaltlich passt das: 19 Decks, ein neues Atrium-Konzept und fast 4.000 Gäste machen die InTUItion-Schiffe deutlich anders als die bisherige Flotte.

Ja, ausdrücklich. Mit 3.984 Plätzen, breitem Restaurant- und Bar-Angebot, eigenen Familienkabinen und betreuten Kinder- und Teens-Clubs richtet sich das Schiff klar auch an Familien. Das Premium-Inklusiv-Konzept erleichtert die Kostenplanung – gerade bei Erstkreuzfahrern und mit Kindern ein klarer Vorteil gegenüber À-la-Carte-Konzepten.

Sauberer als klassisches Schweröl, aber kein CO₂-Nullkurs. Der LNG-Dual-Fuel-Antrieb reduziert Schwefel- und Stickoxid-Emissionen drastisch und senkt CO₂ je nach Quelle um 15 bis 25 Prozent. Landstrom­anschluss spart im Hafen zusätzlich. Echte Klimaneutralität auf See bleibt vorerst eine Vision der gesamten Branche.

Auf der Flow deutlich mehr als auf älteren Mein-Schiff-Neubauten. Suiten-Gäste haben jetzt Zugang zu einem komplett neu strukturierten X-Bereich am Heck mit eigener Lounge, eigenem Sonnendeck und zwei exklusiven Restaurants. Wer Wert auf Rückzug und Premium-Service legt, bekommt hier ein spürbar anderes Erlebnis als auf den älteren Schiffen.

Fazit: Mehr als nur ein neues Schiff

Was an diesem Abend in Triest passierte, war kein PR-Termin mit Promi und Schleife. Drei Patinnen aus der Community, Couture von Kretschmer, Festivalformat statt Galaabend. Eine Reederei, die ihre eigenen Stammgäste auf die Bühne hebt statt prominente Namen einzukaufen. Das hat Stil und ist seltener, als man denkt.

Ob das Konzept dauerhaft trägt, zeigt sich erst in den kommenden Monaten. Die Adria-Routen laufen, der Hamburger Winterfahrplan steht. Die Mein Schiff Flow hat jetzt zu beweisen, was die Inszenierung versprochen hat. Wir bleiben dran.

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