Kreuzfahrt durch Westeuropa
Das Nordmeer ist kein sanftes Gewässer. Die Atlantikküste Westeuropas zeigt sich rauer, grüner und weniger vorhersehbar als das Mittelmeer – und genau das macht sie interessant für alle, die Hafenstädte echten Stränden vorziehen.
Lissabon liegt auf sieben Hügeln über dem Tejo, kurz bevor der Fluss in den Atlantik mündet. Die Straßenbahn Nummer 28 fährt durch Gassen, die für Autos zu schmal sind, vorbei an Fassaden mit blau-weißen Azulejos, Wäsche zwischen den Fenstern. Das Pastél de Nata in der Bäckerei Pastéis de Belém wurde 1837 zum ersten Mal verkauft und schmeckt heute noch gleich. Lissabon ist eine der wenigen europäischen Hauptstädte, die vom Kreuzfahrthafen aus zu Fuß erreichbar ist.
Porto liegt eine Stunde nördlich, am Douro. Die Stadt ist kleiner, steiler und weniger poliert als Lissabon. In den Lagerhäusern von Vila Nova de Gaia reifen Fässer mit Portwein, der dort seit dem 17. Jahrhundert gelagert wird. Wer durch die Ribeira-Viertel läuft, merkt schnell, dass Porto keine Museumsstadt ist – die Häuser bröckeln ein wenig, die Bars sind billig, die Einheimischen sitzen draußen bis spät.
Die Biskaya hat einen schlechten Ruf unter Kreuzfahrern. Der Atlantik macht dort sein eigenes Wetter, unabhängig von der Jahreszeit. Wer den Seetag gut übersteht, liegt am nächsten Morgen in Bilbao oder San Sebastián. Bilbao hat das Guggenheim-Museum, dessen titanfarbene Fassade den Hafen verändert hat. San Sebastián hat die Pintxo-Bars in der Altstadt, wo man für zwei Euro einen Happen isst, der in einem Berliner Restaurant als Vorspeise auf der Karte stünde.
Bordeaux liegt 100 Kilometer flussaufwärts an der Garonne. Kreuzfahrtschiffe fahren den Fluss hinauf, und die Stadt öffnet sich langsam: erst Weinberge, dann Vororte, dann die geschwungene Uferpromenade mit den klassizistischen Fassaden. Die Weingüter des Médoc liegen eine halbe Stunde entfernt. Wer keine Weinreise plant, findet in der Altstadt Austern aus dem Bassin d’Arcachon, die frischer kaum sein könnten.
Bilbao, Bordeaux, Lissabon – das sind Städte, in denen man einen Nachmittag verbringt und merkt, dass man drei Tage bräuchte. Eine westeuropäische Kreuzfahrt löst das Problem nicht, aber sie zeigt, wo es sich lohnt, wiederzukommen.
Southampton oder Amsterdam sind typische Ausgangs- und Endpunkte. Amsterdam verdient mehr als den Hafentag, den viele Routen einplanen: die Grachten, das Rijksmuseum, der Vondelpark an einem Dienstagvormittag ohne Reisegruppen. Wer früh von Bord geht, hat die Stadt für sich, bevor die Tagestouristen aus den Bussen steigen.
Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und September. Im Oktober wird die Biskaya ungemütlich, die Tage kürzer. Wer die atlantische Küste in ihrer grünsten Form sehen möchte, fährt im Juni – das Licht ist weich, die Temperaturen angenehm, und die Hochsaison hat noch nicht begonnen.
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